Zurück zum Sweet Spot: Warum die 12-Fret-Gitarre eine Renaissance erlebt

Zwölf oder vierzehn Bünde bis zum Korpus – oft optisch zunächst gar kein so großer Unterschied bei einer akustischen Gitarre. Doch der hat es konstruktiv und spieltechnisch in sich.

Die Länge und Position des Halses verändern die Lage des Stegs, die Balance des Instruments und die Art, wie die Decke auf den Anschlag reagiert.

Das Ergebnis ist eine Gitarre, die sich anders spielt und häufig auch anders klingt. Es lohnt sich auf jeden Fall, genauer hinzuhören.

Zwei Konstruktionen, zwei Charaktere

Bei einer 12-Fret-Gitarre – auch 12-Bund-Gitarre genannt – trifft der kürzere Hals am zwölften Bund auf den Korpus, bei einer 14-Fret am vierzehnten. Dadurch verschiebt sich der Steg bei einer 12-Fret auf der Decke weiter nach hinten.

Bei der 12-Bund-Gitarre liegt er also näher am Zentrum der Decke unterhalb des Schallochs. Das beeinflusst die Art und Weise, wie die Decke auf Saitenzug und Anschlag reagiert. Da so, je nach Beleistung, der Steg nicht die Schwingungen der Decke hemmt, spricht man hier auch von einem "Sweet Spot".

In einer gut gebauten 12-Fret äußert sich das häufig in einer direkten Ansprache, guter Dynamik und einem Ton, der auch bei moderater Lautstärke erstaunlich präsent bleibt.

Gerade beim Fingerstyle ist das interessant. Kleine Veränderungen im Anschlag werden unmittelbar hörbar, ohne dass der Ton dabei nervös wirkt. Die Gitarre reagiert, bleibt aber in sich ruhig.

Das sind Eigenschaften, die sich nur begrenzt in technischen Daten wiederfinden. Man hört sie am besten beim Spielen.

Ein Blick zurück

Die 12-Fret-Bauweise ist die ältere der beiden Konstruktionen. Bei den frühen Stahlsaitengitarren war der Halsübergang am zwölften Bund wie bei Konzertgitarren üblich.

Das änderte sich Ende der 1920er-Jahre. Der Banjo-Spieler Perry Bechtel suchte nach einer Gitarre mit besserem Zugang zu den oberen Lagen. C. F. Martin entwickelte daraufhin das Orchestra Model mit Halsübergang am 14. Bund.

Die neue Konstruktion bot einen praktischen Vorteil: Mehr Griffbrett stand über dem Korpus zur Verfügung.

Die 14-Fret-Gitarre setzte sich in den folgenden Jahrzehnten zunehmend durch. Für viele Spieler war der zusätzliche Zugang zu den hohen Lagen schlicht nützlich, insbesondere in einer Zeit, in der sich die Rolle der Gitarre in Ensembles und Bands veränderte.

Die 12-Bund-Gitarre verschwand dadurch nicht. Sie wurde nur von einer anderen Konstruktion überholt, die für bestimmte Anforderungen praktischer war.

Das ist ein kleiner, aber wichtiger Unterschied. Die 14-Fret ist nicht die Weiterentwicklung der 12-Fret im Sinne von „besser“. Sie ist eine andere Lösung für eine andere Priorität.

Die Position des Stegs und der Klang

Der klanglich vielleicht interessanteste Unterschied liegt dort, wo man ihn zunächst nicht vermutet: auf der Decke.

Durch den früheren Halsübergang sitzt der Steg bei einer 12-Bund-Gitarre weiter in Richtung der Mitte des unteren Korpus. Das verändert die Schwingungen über der Beleistung der Decke und damit auch ihre Reaktion auf den Anschlag. Der kürzere und dadurch stabilere Hals gibt dazu einen direkten Impuls an den Korpus.

Viele gut konstruierte 12-Frets zeichnen sich deshalb durch eine schnelle Ansprache und einen ausgewogenen, häufig eher warmen und komplexen Ton aus. Der Klang entsteht nicht ausschließlich über Lautstärke. Auch ein zurückhaltender Anschlag kann bereits viel Projektion liefern.

Das macht die Bauweise besonders interessant für Fingerstyle, Songwriting und Studioarbeit.

Natürlich ist die Position des Stegs nur ein Teil der Gleichung. Beleistung, Korpusform, Mensur, Hölzer und die Qualität der gesamten Konstruktion sind ebenso entscheidend.

Eine 12-Fret ist keine klangliche Abkürzung. Sie schafft lediglich andere Voraussetzungen.

Wie sich eine 12-Bund-Gitarre spielt

Die Unterschiede sind nicht nur akustischer Natur.

Durch die Position des Halses verändert sich auch die Balance des Instruments. Eine 12-Fret sitzt häufig etwas kompakter am Körper und wirkt insbesondere im Sitzen sehr ausgewogen.

Bei vielen Modellen kommt ein etwas breiterer Sattel hinzu. Für Fingerstyle-Spieler kann das zusätzlichen Raum zwischen den Saiten schaffen.

Das sind nun zwar alles keine Eigenschaften, die beim ersten Anspielen unbedingt spektakulär wirken.

Sie machen sich eher nach einiger Zeit bemerkbar. Wenn eine Gitarre auch nach einer Stunde noch selbstverständlich in der Hand liegt, ist das meist mehr wert als ein besonders eindrucksvoller erster Eindruck.

Für wen eignet sich eine 12-Fret?

Besonders interessant ist die Bauweise für Spieler, die Wert auf Ansprache, Dynamik und einen schnell ansprechenden, differenzierten Ton legen.

Fingerstyle liegt da natürlich nahe. Singer-Songwriter ebenso. Auch im Studio können 12-Frets sehr gut funktionieren, weil sie bereits oft bei leisen Pegeln eine hohe klangliche Präsenz entwickeln.

Aber letztlich lässt sich die Frage nicht allein über den Musikstil beantworten.

Manche Spieler kommen mit der Balance und dem Spielgefühl einer 12-Bund-Gitarre sofort zurecht und wollen nichts anderes mehr. Andere vermissen den zusätzlichen Zugang zu den hohen Lagen oder bevorzugen schlicht die Reaktion einer 14-Fret.

Was eine 12-Fret so interessant macht

Vielleicht liegt die besondere Faszination der 12-Fret darin, dass ihre Vorteile nicht unbedingt immer spektakulär sind.

Sie liegt gut am Körper. Sie reagiert fein. Der Ton entwickelt sich häufig schnell, detailliert und imposant. Und die Position des Stegs gibt der Decke beste Voraussetzungen, freier zu schwingen.

Einzelne dieser Eigenschaften sind schwer voneinander zu trennen. Zusammen ergeben sie jedoch einen Charakter, den viele Spieler als besonders unmittelbar empfinden.

Es ist weniger eine Frage dessen, was eine 12-Bund-Gitarre zusätzlich kann.

Es geht eher darum, wie sie die Dinge tut, die eine Akustikgitarre ohnehin tun soll. Und vor allem soll sie inspirieren. Und darin ist eine gute 12-Fret oft eben wirklich ziemlich gut.

Wo die 14-Fret im Vorteil ist

Der wichtigste Vorteil der 14-Fret ist zugleich der offensichtlichste: der bessere Zugang zu den hohen Lagen.

Wer regelmäßig weit oben auf dem Griffbrett spielt, wird das zu schätzen wissen. Auch für Spieler, die stark mit dem Plektrum arbeiten und einen schärferen Sound suchen, kann eine 14-Fret die passendere Wahl sein.

Das gilt umso mehr, wenn die Gitarre in einem größeren Ensemble bestehen muss.

Eine gute 14-Fret ist daher keineswegs der Kompromiss, den man eingeht, bevor man eine 12-Fret entdeckt. Sie ist für viele Anwendungen schlicht die bessere Konstruktion.

Wir sind auf 12-Frets spezialisiert. Das verpflichtet uns nicht, sie für jeden Spieler zu empfehlen.

12 oder 14?

Wir würden daraus keine Glaubensfrage machen.

Eine gute 14-Fret kann großartig sein. Eine gute 12-Bund-Gitarre ebenfalls. Welche besser passt, hängt davon ab, wie und wo man spielt.

Ein paar Akkorde. Etwas Fingerstyle. Ein Stück, das man tatsächlich spielt. Leise, laut, mit Plektrum, ohne Plektrum.

Nach einer Weile wird meist ziemlich klar, welche Gitarre einem näher ist.

Das lässt sich schwer messen. Muss man aber auch nicht.

Warum wir bei uns 12-Frets in den Mittelpunkt stellen

Wir haben uns bei 12Fret Guitars bewusst auf Gitarren mit dieser Bauweise spezialisiert.

Nicht, weil zwölf Bünde grundsätzlich besser wären als vierzehn. Sondern weil die Konsequenzen dieser Konstruktion immer wieder ein breites Grinsen in unsere Gesichter zaubern: der Sound, die Ansprache, der Look und die Art, wie sich all das im fertigen Instrument zusammenfügt. Und außerdem: Wo ist 12-Fret schon Hauptsache?

Eine gute 12-Fret muss dabei gar nicht besonders auffallen. Sie ist oft sogar eher Understatement.

Sie muss auch nicht laut sein, um präsent zu wirken. Sie muss nicht spektakulär reagieren, um dynamisch zu sein. Und sie muss am besten gar nicht erklären, warum sie gut ist.

Man spielt sie einfach.

Das ist, nüchtern betrachtet, schon ziemlich viel.


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